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Gedanken vom internationalen Grayling Team.

Mehr als nur Worte

16. Januar 2017


Sigrid Krupica, CEO Grayling Austria, über einen Schwerpunkt des österreichischen OSZE-Vorsitzes – der Deradikalisierung – und welche Rolle Kommunikation beim Aufbau oder bei der Verhinderung von extremistischem Gedankengut spielt.

Österreich hat mit 1. Januar 2017 den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) übernommen. Die OSZE ist die weltweit größte regionale Sicherheitsorganisation mit 57 Teilnehmerstaaten in Europe, Asien und Nordamerika mit dem Ziel der Konfliktlösung, Friedenssicherung und der Förderung und Einhaltung von Menschenrechten.

Vielschichtige Herausforderung
Es steht bereits fest, dass die Vermeidung von Radikalisierung und Extremismus ein Hauptthema des österreichischen OSZE-Vorsitzes sein wird. In der aktuellen geopolitischen Lage ist dieser Fokus keineswegs überraschend und die letzten Terrorattacken in Istanbul und Berlin unterstreichen die Wichtigkeit des Themas weiter.
Aber wie kann eine Regierungsorganisation – oder überhaupt irgendeine Institution oder Einzelperson – effektiv dazu beitragen, Extremismus einzudämmen? Insbesondere, da immer klarer wird, wie komplex Hintergründe und Motivation zu solchen Angriffen sind? Es geht dabei nicht nur um Armut, Verzweiflung, religiöse Überzeugung oder fehlende Bildung. Selbst das Paradigma von den zornigen, jungen Männern ist nicht gänzlich zutreffend, weil wir immer mehr über die Rolle von weiblichen Akteuren im Terrorismus erfahren.

Welche Rolle spielt die Kommunikation?
Zahlreiche internationalen Studien kommen zum Schluss, dass fehlende soziale Integration und die Suche nach Relevanz und Zugehörigkeit einige Menschen in die Hände radikaler Gruppierungen treiben. Welche Funktion hat die Kommunikation bei der Entfremdung bestimmter Gruppen vom Rest der Gesellschaft? Meiner Meinung nach eine sehr große. Und dabei spreche ich hier nicht nur vom einschlägigen Vokabular, dessen sich populistische Politiker, Boulevard-Journalisten und gewisse Social-Media-User bedienen. Zweifellos befeuert diese Art von Sprache latente Ängste, verstärkt weit verbreitete Stereotype in großen Teilen der Bevölkerung und erzeugt ein starkes „Wir gegen sie“-Gefühl gegenüber jenen Menschen, die aus Syrien, Afghanistan, Somalia oder dem Irak in die westlichen Gesellschaften kommen. Aber auch diese Menschen als Flüchtlinge oder Migranten zu bezeichnen vermeide ich bewusst, da diese Begriffe bereits mit polarisierenden Konnotationen aufgeladen sind. Und überall gegenwärtige Hassreden zu zitieren –  selbst wenn man dagegen auftritt – ist sowieso ein no-go.

Auf die Wahl der Worte kommt es an
Die Achtsamkeit geht dabei über Presseaussendungen oder Publikationen hinaus – welche Worte wir im Alltag wählen, ist ausschlaggebend. Schon mal über den Unterschied nachgedacht, wenn man eine Person als ‚Arbeitslosen‘ oder als ‚Jobsuchenden‘ bezeichnet? Als PR- und Kommunikations-Profis ist es Teil unserer täglichen Arbeit, uns bewusst mit Sprache auseinander zu setzen. Vielleicht können wir dazu beitragen, die Semantik – also die Lehre über die Bedeutung der Worte – auch über unsere Branche und akademische Zirkel hinaus populärer zu machen.

Marken profitieren, wenn sie Stellung beziehen
Und wie wäre es, wenn wir als Consultants unseren Kunden eine klare Haltung gegen alle Arten von Diskriminierung in der öffentlichen Diskussion empfehlen? Dazu gab es kürzlich einige gute Beispiele. Erst letzte Woche hat Lidl in der Tschechischen Republik sehr deutlich auf einen Facebook-Shitstorm gegen ein schwarzes Model in ihrem aktuellen Prospekt reagiert. Lidl hat dafür sowohl von offizieller Regierungsseite als auch von anderen Unternehmen im Tschechischen Markt große Zustimmung bekommen. So hat beispielsweise der Apfelwein-Produzent Magnetic Apple öffentlich seine Unterstützung für die Lidl-Initiative via Facebook kundgetan.

Wenn also die OSZE unter österreichischem Vorsitz darauf abzielt, extremistisches Gedankengut einzudämmen, können wir alle dazu einen Beitrag leisten, indem wir unserer Worte vorsichtig und mit Bedacht wählen. Jeden Tag. In jedem Forum.

 


Sigrid Krupica

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