Insights

/ Insights / Kommunikationstrends 2018 - Testen und Lernen

Free thinking from Grayling people

Kommunikationstrends 2018 - Testen und Lernen

19. Dezember 2017


Klein ist das neue Groß

 

Mit dem wachsenden Tempo in der Wirtschaft nehmen Organisationen aller Größenordnungen vermehrt eine Gründermentalität an. Alan Dunton, Managing Director von Grayling in San Francisco, erklärt, warum so viele Unternehmen sich an Start-ups orientieren.

 

Im Grayling-Office in San Francisco haben wir das Vergnügen, sowohl große als auch kleine Kunden betreuen zu dürfen. Und es ist in der Tat ein Vergnügen. So hat man einerseits mit großen, sehr stringenten und disziplinierten multinationalen Technologieunternehmen – mit ihren vollbesetzten Kommunikations- und Marketingteams – zu tun. Anderseits mit den CEOs junger Start-ups, die bereits ihren nächsten Meilenstein vor Augen haben, für den wir das Marketingteam sind. Obwohl sie in ihren jeweiligen Bereichen brillant sind, wissen viele Start-up-Manager nichts über typische PR-Fachbegriffe wie z.B. Kernbotschaften, und das ist auch völlig in Ordnung. Was wir an der Betreuung großer und kleiner Kunden spannend finden, ist, dass es mehr Überschneidungen gibt als man vielleicht glaubt.

Jedes Start-up träumt davon, ein großes, erfolgreiches Unternehmen zu werden, das nächste Uber (ohne die Skandale) oder so ähnlich. Gleichzeitig erleben wir, dass große Organisationen auf der Suche nach Wendigkeit etwas von der Start-up-Mentalität übernehmen möchten. Im digitalen Zeitalter mit einem 24-Stunden-Nachrichtenzyklus, disruptiven Konkurrenten und Erfindergeist als Gebot, suchen Unternehmen nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten, Partnerschaften und Servicemodellen, um relevant zu bleiben. Sie haben gar keine andere Wahl: Seit 2000 sind 52 Prozent der Firmen auf der Fortune-500-Liste entweder in den Konkurs geschlittert, wurden übernommen oder schlichtweg von der Liste gestrichen. Und wenn sie Millennials als Kunden, Investoren oder Mitarbeiter gewinnen wollen, ist Innovation ein Muss (ebenso wie ein starkes CSR-Programm). Selbst in stabilen Branchen wie Versicherungen, schätzen 59 Prozent der Millennials Innovation mehr als Erfahrung. Innovation ist der Katalysator für eine neue Welle von Konsumgütern, die in den letzten Jahren zu einer 18 Milliarden Dollar schweren Verlagerung des Marktanteils von größeren Marken auf kleine Marken geführt hat.

Innovation bedeutet nicht nur bahnbrechende, neue Technologie herausbringen. Es bedeutet natürlich auch, sich daran zu erinnern, wer der Kunde ist und wie die individuelle Bedürfnisse erfüllt werden können. Es ist ein Ansatz, der nicht vorgetäuscht werden kann ... Tischtennis-Platten und unbeschränkter Nachschub von Kultgetränken sind nett, aber sie reichen nicht aus.

Start-Up-Fieber

‚Wenn du sie nicht schlagen kannst, kooperiere mit ihnen‘ –  das scheint die Einstellung vieler Konzerne zu sein. Große Unternehmen wenden sich zunehmend an erfolgreiche Start-ups, damit diese ihnen dabei helfen, mit dem Technologiewandel und den Erwartungen der Konsumenten Schritt zu halten. Ihr Ziel dabei ist, aus dem etablierten „Konzerndenken“ auszubrechen und echte Veränderungen in den eigenen Reihen zu beschleunigen.

Nestlé hat zur Entwicklung digitaler Projekte das Digital Acceleration Team (DAT) gegründet, welches Hand in Hand mit den hauseigenen Marken, aber auch externen Experten arbeitet. So holte sich das Unternehmen für das jüngste Projekt der Marke Maggi das Technologie-Startup Mercury.ai ins Boot und brachte mit deren Unterstützung KIM („Kitchen Intelligence by Maggi"), die erste digitale Kochassistentin, auf den Markt. Als Ergänzung zu den menschlichen Maggi Kochstudio Mitarbeiter(inn)en versorgt KIM ihre Dialogpartner via Facebook Messenger 24/7 mit Rezeptinspirationen und Kochtipps.

PayPal, vor nicht allzu langer Zeit selbst ein Start-up, eröffnet demnächst zwei „Innovation Labs“ in Indien. Hier sollen FinTech-Start-ups im Bereich Artificial Intelligence, Internet of Things, Augmented und Virtual Reality unterstützt werden –  als Ergänzung zu den „Labs“, die das Unternehmen bereits in den USA und in Singapur führt.

Und viele unserer Start-up-Kunden, die früher eine Übernahme als ihr höchstes Ziel betrachteten, möchten jetzt lieber ihre Autonomie behalten und sich stattdessen einen Namen durch Partnerschaften machen (und möglicherweise auch ein Vermögen).

Die Schwarmintelligenz

Disruptives Marketing bedeutet oft, die Kraft der Masse zu nutzen – von akademischen Experten bis hin zu Mitarbeitern und Konsumenten – um für geschäftliche Herausforderungen neue Lösungen zu finden und Produkte gemeinsam zu entwickeln.

Große Marken, von Coca-Cola über L'Oréal, Heineken bis hin zu LEGO, setzen auf Crowdsourcing. Dabei bedienen sie eine echt große Nachfrage: 42 Prozent der Millennials geben an, dass sie sich gern an der Entwicklung zukünftiger Produkte und Dienstleistungen beteiligen möchten. Eine Studie unter der Leitung von Eric von Hippel von der MIT Sloan School of Management geht davon aus, dass sich 5,2 Prozent aller Konsumenten in den USA und 6,1 Prozent in Großbritannien aktiv an Produktinnovationen beteiligen.

Und warum glauben wir, dass wir 2018 noch mehr davon sehen werden? Es funktioniert. Die CIO-Umfrage von Gartner zu den wirksamsten digitalen Innovationsbereichen ergab, dass Crowdsourcing den höchsten Return on Investment (ROI) hat. Zudem seien Verbraucher viel loyaler gegenüber Marken und Produkten, an deren Entwicklung sie selbst beteiligt waren.

Keine Scheu vor dem Experiment

Jede Innovation birgt Risiken. Aber der Grund, warum wir diesen Trend „Testen und Lernen“ genannt haben, besteht darin, dass große und kleine Unternehmen zunehmend erkennen, dass es in Ordnung ist, Dinge auszuprobieren. Und niemand wird sie verurteilen, wenn etwas nicht funktioniert, es sei denn, sie wiederholen die gleichen Fehler. Tatsächlich wird jetzt erwartet, dass Unternehmen in Echtzeit experimentieren und lernen, Beta-Produkte und -Dienstleistungen lancieren oder alternative Wege zum Markt testen und sich schnell anhand von Daten und Kundenfeedback anpassen. Das „Testen vor dem Kauf“-Angebot von Amazon Prime wurde im Juni dieses Jahres in der Beta-Version veröffentlicht und hat sich aufgrund von Nutzer-Feedback dramatisch verändert. Und Googles Gmail gab es fünf Jahre in der Betaversion! Unternehmen können es sich nicht länger leisten, an alten Ideen oder Marktstrategien festzuhalten ... ihre Kunden erwarten, dass sie sich flexibel weiterentwickeln.

Wenn wir uns jetzt also Richtung 2018 bewegen, erwarten wir noch mehr Start-up-Verhalten – selbst von den erfahrensten Akteuren.

Dieser Blogbeitrag von Alan Dunton erscheint im Rahmen der Grayling Trend-Serie für 2018. Folgen Sie Alan auf Twitter und diskutieren Sie mit uns unter dem Hashtag #6INTO18.


Grayling Team

Letzte Blogbeiträge

10. Januar 2018


Orientierung im digitalen Chaos

Unbekannte Algorithmen, die bestimmen wer Beiträge liest, Social Bots, die falsche Nachrichten und Fakten verbreiten: Kommunizieren in der heutigen Welt ist... kompliziert. Das gilt insbesondere für...

Weiterlesen

20. Dezember 2017


Less sugar, please

Die Generation der Millennials stellt die Marketingwelt vor nie dagewesene Herausforderungen. Sie hinterfragen vieles, denn sie legen Wert auf Transparenz, Qualität und Authentizität. Dies trifft...

Weiterlesen

18. Dezember 2017


Kommunikationstrends 2018 - Ökonomie der Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit ist die neue WährungReese Maabich, Head of Digital, Grayling Kontinentaleuropa erklärt, was Marken im Zeitalter der digitalen Überladung beachten müssen, um ihre Zielgruppen zu...

Weiterlesen