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Krise in der deutschen Automobil-Industrie: Alles eine Frage der Haltung

1. August 2017


Die Automotive-Industrie und insbesondere die traditionellen Autobauer haben ein Reputationsproblem und scheinen von einer Krise in die nächste zu fahren. Frank Schönrock, CEO von Grayling Deutschland und Krisenexperte, zum Kern des Problems.

BMW liegt auf Platz 12 der World’s Most Reputable Companies, Daimler immerhin noch auf Platz 27. Laut BrandZ findet sich der bayerische Autobauer sogar auf Platz 35 der wertvollsten Marken weltweit und der schwäbische Konkurrent auf Platz 40. Das Edelman Trust Barometer 2017 schließlich schreibt „Die gute Nachricht zuerst: Nach einem Einbruch im vergangenen Jahr halten inzwischen die meisten Menschen die Automobilbranche wieder für vertrauenswürdig.“ Alles palletti, also?

Mitnichten! Sowohl das zitierte Trust Barometer als auch die derzeitige Realität zeichnen das große schwarze ABER. Der jüngste Vorwurf, dass deutsche Automobilhersteller gegen Kartellrecht verstoßen haben sollen, ist nur ein weiterer Punkt auf einer langen Liste von Nachrichten, mit denen Vertreter einer vermeintlich glanzvollen Industrie ihren Ruf stetig und zielgerichtet ruinieren.

„Dieselgate“, halbherzige Verbesserungsvorschläge für die CO2-Ausstoß-Reduktion, das Verschlafen von Trends wie E-Mobilität und Vorwürfe gegen Kartellverstöße. Bisher gut geschützt und unterstützt von der Politik bröckelt also selbst diese Phalanx der deutschen Industrie. Sogar Angela Merkel, oberste Chefin einer industriefreundlichen politischen Organisation “sieht schwarz für die deutsche Automobilindustrie“, wie der Spiegel (Heft 30/2017) aktuell titelt. Es ist Wahlkampf, mag man einwenden, aber ich sage: trotz Wahlkampf sagt sie das. Der in der vorigen Woche von deutschen Behörden öffentlich erzwungene Rückruf aller Dieselfahrzeuge eines Porsche-Modells sucht in der jüngeren Geschichte der für Deutschland so wichtigen Schlüsselindustrie gar seinesgleichen. Ist dies lediglich der Anfang? Nicht wenige in Finanzkreisen prophezeien der gesamten Industrie gar eine Entwicklung, wie wir sie bei den Banken bis heute erleben: Ein dauerhaft brutal negatives Image und hohe Regulation.

Wie aber nun aus diesem Reputationsdesaster herauskommen? Wie ist es um die Krisen-DNA der Unternehmen bestellt? Um ihre Resilienz? Für mich liegt auf der Hand, dass die aktuelle Entwicklung vor allem die Haltung der Unternehmensführung widerspiegelt. Die CEOs vermitteln einen Eindruck der Unantastbarkeit. Man kann dazu das Bild des Elfenbeinturms bemühen, in denen die Unternehmenslenker sitzen. Und genauso handeln und kommunizieren sie auch nach wie vor.

Mich interessiert: Ist Ihnen, liebe Kollegen der Automobilindustrie, Aufklärung wichtig? Wie wollen Sie sich konkret daran beteiligen? Wie sehr motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, zur Aufklärung beizutragen? Fördern Sie gar den kritischen Diskurs über Verhalten im eigenen Unternehmen? Dann – und erst dann –, wenn diese Haltung einzieht in die Vorstandsetagen der deutschen Automobilindustrie kann erfolgreiche Kommunikation stattfinden sowie das Vertrauen der Öffentlichkeit wiedererlangt werden. Andernfalls bleibt Kommunikatoren leider die Aufgabe von Ablenkung, Aufsagen von Phrasen und Verbreitung von längst Bekanntem. Dies wäre nicht einmal ansatzweise nachhaltiges Krisenmanagement!

Dieser Blog wurde auch im  PR-Journal veröffentlicht


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Frank Schönrock

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