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Snapchat Spectacles – Innovative Idee oder alberne Spielerei?

7. August 2017


Dieser Beitrag ist Teil der #Bloginvasion, einer Aktion des PRSH e.V. (Public Relations Studierende Hannover), bei der jede Woche ein Autor einen Beitrag auf einem Agentur-Blog veröffentlicht. Die Serie steht unter dem Motto „Digital Trends“, wird aber von jedem Autor mit einem individuellen Thema präzisiert. Für unseren Blog schreibt die Studentin Antonia Sommer über den Trend Snapchat und dessen Produkt Spectacles. Die Infos zu den weiteren Blogs, auf denen die PRSH-Autoren schreiben, gibt es auf dem Twitter-Account @PR-Studenten oder auf prsh.de. Begleitend zu diesem Text ist auf dem PRSH-Blog ein Interview mit Michelle van der Veen, Account Manager Digital & Content bei Grayling Deutschland, erschienen.

Wenn es ein Schlagwort gibt, das mittlerweile zu jedem guten Social-Media-Auftritt einer Privatperson, eines Influencers, bis zu dem eines Unternehmens gehört, dann ist das Authentizität. Leser oder Follower müssen sich mit mir identifizieren können. Beiträge auf Augenhöhe aus meinem persönlichen Leben helfen dabei sehr. Vielleicht war genau das die Argumentation der Firma Snap, die die Idee zu einem Produkt entwickelt hat, das es mir ermöglicht, Beiträge aus meiner Sicht zu erstellen. Und zwar wortwörtlich aus meiner Sicht. Schon wieder ein neuer Trend – Eine innovative Idee oder eine alberne Spielerei?

Snapchat Stories: Der etablierte Digital Trend

Ich habe einen Bitmoji, poste eine Story und benutze dafür den neuen Filter – oder anders ausgedrückt: Ich bin Digital Native. Das kann wie ein Bekenntnis klingen, auf das ich stolz bin, weil es ein Attribut ist, was mich als jung und modern beschreibt. Oder es ist das Eingeständnis, mit dem ich mich für meine Smombie-Angewohnheiten entschuldigen möchte. Instagram hier, Facebook dort.

Aber Smartphone-Sucht hin oder her, es ist definitiv nützlich, sich mit den neuesten digitalen Trends auszukennen. Wenn mein Kollege mich leicht verwirrt anschaut und fragt, was es bedeutet, wenn er die Flamme seiner Nichte am Brennen halten soll, weil sie ihr Handy nicht mit auf Klassenfahrt nehmen darf und es nicht selber machen kann, dann weiß ich nämlich, dass es sich dabei nicht um das Olympische Feuer handelt. Genau so wenig, wie die Story, die der Nachbarssohn gerade macht, etwas mit seinen journalistischen Fertigkeiten zu tun hat oder dass der neue Filter, von dem alle so begeistert sind, nicht etwa meinen Kaffee besser macht.

Nein, ich weiß, dass es hier um einen der erfolgreichsten Instant-Messaging-Dienste unserer Zeit geht: Snapchat. Wer sich Sorgen um peinliche Bilder macht, die permanent im Netz sein könnten, oder einen schlechten Post, der öffentlich kommentiert und verschmäht werden könnte, der ist hier genau richtig. Posts werden nur meinen Kontakten und vor allem nur für bestimmte Zeit angezeigt, öffentliche Kommentare anderer Nutzer gibt es nicht und Screenshots, die eventuell gemacht werden könnten, bekomme ich sofort angezeigt. Ich mache einfach ein Foto, kann eine Comicfigur von mir (in Fachkreisen „Bitmoji“ genannt) erstellen, einen Ortsfilter drauf klatschen, und das Ganze als Story für 24 Stunden meinen Kontakten und mittlerweile, natürlich nur, wenn ich das möchte, sogar der ganzen Welt zur Verfügung stellen.

Klingt abgefahren? Reicht aber noch nicht! Während Facebook, Instagram und Co. die Idee der Story übernommen haben, hat die hinter Snapchat steckende Firma Snap am nächsten digitalen Trend gebastelt: Spectacles. Eine von Snap für Snapchat entwickelte Kamera, die aufgenommene Videos sofort aufs Handy überträgt und dort zur Bearbeitung bzw. zum Posten bereitstellt.

Klingt abgefahrener? Ist aber immer noch nicht alles. Schaut man sich den Namen genauer an, kann man es bereits erraten: Es handelt sich hierbei um eine Brille, genauer gesagt um eine Sonnenbrille. Die runden Gläser der Brille sorgen für ebenso runde Aufnahmen, die für einen coolen Effekt sorgen, sobald ich mein Handy drehe.

Wenn mein Kollege sich das nächste Mal dann bei mir erkundigt, warum ihm auf der Straße entgegen kommende Teenies auf ihren Sonnenbrillen rum drücken, dann kann ich mal wieder meine Digital Native-Skills auspacken, und ihm sagen, dass er wahrscheinlich gefilmt wurde und jetzt in den Snapchat-Stories von eben jenen Teenies zu sehen ist. Jetzt könnte man meinen, dass das Borderline-Stalking ist. Ist es vielleicht auch, aber ich denke, dass es nicht das ist, was die Zielgruppe begeistern soll.

Spectacles – Das Erfolgskonzept

Stalking ist nämlich nicht der Grundgedanke der Brille, sondern zum einen geht es hier um das Aufnehmen von Videos aus der Ich-Perspektive. Zum anderen spielt die Erstellung von Snaps, ohne extra mein Handy zur Hand nehmen zu müssen, sicherlich auch eine große Rolle. Ich drücke einmal auf den Knopf am Rand meiner Sonnenbrille, und schon habe ich zehn Sekunden Zeit, um einen Snap aus meiner Sicht aufzunehmen. Wenn ich noch weitere zehn Sekunden dran hängen möchte, dann drücke ich einfach nochmal drauf.

Im Grunde genommen ist das Konzept von Spectacles einfach zu durchschauen: Man nehme Social Media, einen Fun-Factor, Einfachheit und Schnelligkeit und heraus kommt der nächste Digital Trend. Hat man als Sahnehäubchen den Vorteil der Exklusivität, kann man daraus ein heißbegehrtes Produkt machen.

Klar, mit Snapchat ist der Social Media-Teil bei den Spectacles erfüllt. Die Plattform ist insbesondere beim jüngeren Publikum extrem beliebt und bekommt ohnehin schon eine Menge Aufmerksamkeit. Der Fun-Factor ist bei einer Sonnenbrille, die als Kamera fungiert, auch gegeben.

Schnelligkeit und Einfachheit bekomme ich nicht nur bei der Aufnahme der Videos, sondern auch bei der Verpackung. Das Etui der Brille ist dreieckig und in grellem Snapchat-Gelb. Was ist daran nun besonders? Wer sich bis jetzt gefragt hat, wie man die Dinger eigentlich auflädt, bekommt jetzt seine Antwort: Das Etui. Das hat nämlich einen magnetischen Anschluss, das mit einem USB-Kabel verbunden und dann aufgeladen wird. Wenn ich meine Spectacles dann richtig herum in das aufgeladene Etui lege, lade ich ihren Akku. Ein bisschen gewitzt, ein bisschen stylisch, vor allem aber schnell und einfach.

Um Schnelligkeit ging es auch in den ersten Monaten des Vertriebs der Kamera-Brillen. Zuerst waren sie in den USA erhältlich, und das nur aus Snap-Bots. Das sind Automaten, die angelehnt an Snapchat Storys, nach 24 Stunden verschwinden und ihren Standort wechseln. Zunächst war es also nicht so einfach, an Spectacles heran zu kommen – das Resultat: Die angekündigte Exklusivität. Mittlerweile gibt es die Brillen aber auch in Deutschland und zusätzlich zu den Snap-Bots auch in einem Online-Shop zu kaufen.

Die Mischung macht’s!

Spectacles haben definitiv Witz und durch ihre Verbindung zu Snapchat höchstwahrscheinlich auch eine hohe Reichweite. Selfies kann ich damit aus logistischen Gründen natürlich nicht machen, was in einer Zeit, in der Selbstdarstellung das A und O ist, meiner Meinung nach nicht unbedingt vorteilhaft ist.

Wenn Snap mich um Ratschlag für eine Weiterentwicklung bitten würde, wäre außerdem VR ein Begriff, der noch wichtig ist. Denn was ist heutzutage trendiger, als virtuelle Realität? Innovativ würde ich die Brillen also nicht unbedingt nennen.

Doch sie bergen sicherlich andere Vorteile. Praktisch, stylisch und witzig – in den USA ist der Hype um die Brillen schon ausgebrochen. Einen guten Grund für Unternehmen, Snaps Erfindung für ihre Zwecke zu nutzen, habe ich nicht entdeckt. Aber egal ob wir sie nun selber benutzen oder unseren Lieblings-Vloggern beim Gebrauch von Spectacles zusehen, ich denke sie könnten als das neue Accessoires der Digital Natives und damit als digitaler Trend eingestuft werden. Denn wenn ich über den Hype um Snapchat und dessen Storys zu Beginn nachdenke, fällt mir auf, dass auch diese digitale Neuheit zunächst auf viel Unverständnis gestoßen ist. Vielleicht ist es nicht nur eine alberne Spielerei oder nur eine innovative Idee – die Mischung macht‘s!

Über die Autorin

Antonia Sommer studiert im vierten Semester Public Relations an der Hochschule Hannover. Neben dem Studium arbeitet sie als Werkstudentin bei der Sennheiser electronic GmbH & Co. KG, engagiert sich im PRSH und unterstützt als studentische Hilfskraft die Online-Kommunikation der Hochschule Hannover. Für die digitalen Trends und Neuheiten der PR-Branche interessiert sie sich sehr. Den Blogbeitrag für Grayling Deutschland schrieb sie im Rahmen der #Bloginvasion des PRSH.

 

Beitragsbild: Snapchat (2016) ©


Grayling Team

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