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Die Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz

16. Mai 2018


Anna Härle, Account Manager bei Grayling Deutschland in Frankfurt, hat sich eines der zentralsten Themen auf der Republica 2018 einmal genauer angeschaut - Künstliche Intelligenz (KI). Doch weshalb ist sie eigentlich so ein wichtiges Thema?

In den Debatten wurde schnell klar: Weil sie unsere Gesellschaft und das Leben eines jeden Einzelnen maßgeblich verändern wird. Die Soziologin Kerstin Jürgens hält die Jetztzeit sogar für vergleichbar mit der Industriellen Revolution. Damals wie heute habe eine soziale Frage die Weichen für die Zukunft gestellt. Nun müsse schnellstens entschieden werden, wie mit technologischen Innovationen umzugehen sei.

KI in unserem Alltag

Das sind große Worte und so manch einer mag sich fragen: „Was hat das alles mit mir zu tun? Ich komme doch gar nicht mit KI in Berührung.“ Wir sagen: „Das können wir nur schwer glauben“. Bewusst – wie Arbeitnehmer, die beispielsweise bereits AR in ihrem Arbeitsalltag nutzen – oder unbewusst – wie Kunden, die beim Online-Shopping unbedarft den Cookies zustimmen – kann sich bereits jetzt kaum mehr ein Mensch in Deutschland diesem Thema entziehen.

Bild: Björn Böhning, Kerstin Jürgens, John-Dylan Haynes und Caterina Lobenstein (v.l.n.r.) beim Talk „Künstliche Intelligenz, Algorithmen und die Arbeit von Morgen“. Foto: Gregor Fischer/re:publica. (CC BY-SA 2.0)

Schließlich ist es mit Hilfe von KI heute möglich, schier unüberblickbare Datenmengen in ein System einzuspeisen, auszuwerten und daraus Algorithmen zu entwickeln – sodass sich letztlich Handlungen ableiten lassen. Eine technische Innovation, die uns auf verschiedensten Ebenen völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Wir als Kommunikationsagentur richten unseren Blick natürlich ganz besonders auf die Chancen für unsere Kunden. Zahlreiche Unternehmen setzen bereits auf KI und selbstlernende Prozesse, um ihren Kunden personalisierte Dienste und Angebote zur Verfügung zu stellen. Durch Smartphone & Co. kann heutzutage jeder auf Schritt und Tritt verfolgt werden. Anhand der Daten lassen sich Vorlieben, Abneigungen, Nutzerverhalten und vieles mehr ableiten. Aus der Fülle der Daten ergibt sich unsere digitale Identität. Und das erstaunlich genau. So genau, dass Vorschläge, die einem auf Plattformen à la „das könnte sie auch interessieren“ unterbreitet werden, teils mit Absicht nicht immer 100 Prozent zutreffend programmiert sind, damit wir Menschen uns nicht gruseln.

Wie Unternehmen bereits KI für sich nutzen

Während Faktoren wie Bequemlichkeit und Schnelligkeit im Kundenservice das Maß aller Dinge geworden sind, kann KI eine bessere Customer Experience ermöglichen. Über Daten und Algorithmen wird versucht, immer da zu sein, wo gerade Bedarf ist – ganz explizit, aber auch implizit, soll heißen: Marken geht es oft um das Thema Inspiration. KI ermöglicht es, den Kunden nicht nur das zu zeigen, wovon sie wissen, dass sie es suchen, sondern sie mitunter auch auf Dinge zu verweisen, von denen sie bislang noch gar nicht wussten, dass sie diese haben möchten. Die Otto Group nutze Algorithmen und KI schon in verschiedenen Bereichen, so Sabrina Zeplin, Vice President Business Intelligence des Unternehmens in einer Session zum Thema „KI in Unternehmen, personalisiertes Marketing und Datenschutz“. Beispielsweise um „Stolpersteine“ in der Customer Journey zu identifizieren und Prozesse anschließend zu optimieren. So seien Produktempfehlungen schon vollständig automatisiert, indem mit Textmining-Algorithmen gearbeitet werde. Diese ermöglichten innerhalb der Kundenrezensionen eine noch bessere Orientierungshilfe, da man zum Beispiel vor dem Kauf einer Waschmaschine ganz explizit nach dem Thema „Lautstärke“ innerhalb der Bewertungen der Maschine suchen könne. Auch die Kleidergröße eines Kunden könne aus dessen historischem Kaufverhalten ermittelt werden, wodurch die Rücksendequote verringert würde.

Natürlich ist die Otto Group in diesem Bereich nicht alleine unterwegs. Best bekanntes, weil wohl am meisten verbreitetes Beispiel: Unternehmens-Bots. In einigen Unternehmen werden Kundenanfragen von Bots entgegengenommen, die diese automatisiert, schnell und vor allem rund um die Uhr beantworten. Durch Natural Language Processing kann der Kunde gerade im schriftlichen Dialog bei ausgefeilten Bots kaum noch unterscheiden, ob es sich um einen menschlichen Gesprächspartner handelt oder nicht. Aktuell werden Bots im Kundenservice allerdings meist ergänzend zu menschlichen Beratern eingesetzt, die natürlich weiterhin persönlich beraten, allerdings eben auch feste Arbeitszeiten haben und immer nur mit einer Person, nicht mit mehreren gleichzeitig, sprechen können.

Als ein weiteres, spannendes Beispiel für KI kann die Pinterest Lens genannt werden – eine Kamera-Suche, die anhand von Dingen, die man offline sieht, Online-Vorschläge macht. Nicht zuletzt durch die steigende Leistung von KI funktioniert die althergebrachte Differenzierung zwischen Real und Virtuell also allmählich nicht mehr. Die virtuelle Welt ist Teil unserer realen Welt geworden. Laut Sven Krüger, CMO T-Systems, dürfen wir zudem davon ausgehen, dass  KI bald zu noch viel mehr imstande sein wird als heute schon: Er prognostiziert, dass KI zeitnah Sprache, Texte und Bilder erkennen können wird und auch im Stande sein wird, Content Pieces zu kreieren.

Diktatur der Algorithmen?

Klingt soweit alles echt super. Doch das Ganze hat auch leider auch eine Kehrseite. Für uns Menschen ist es aktuell teils kaum noch möglich, nachzuvollziehen, auf welchen Daten die Auswertungen von KI überhaupt beruhen. Und das kann dann – je nachdem wer sie programmiert hat und welche Werte der Programmierer vertritt – dazu führen, dass Algorithmen diskriminierend werden. Gerade Dilemma-Situationen offenbaren das Wertesystem der Programmierung der KI. Folgendes Beispiel verdeutlicht dieses Problem: Autonomes Fahren erfordert, dass Entscheidungen gefällt werden. Wenn der KI die Wahl zwischen dem Überfahren eines alten Ehepaares oder einer jungen Frau mit Kind bleibt – wofür wird sie sich die entscheiden? Sven Krüger betont: „Die Maschine hat kein Bewusstsein, keinen Willen und keine Intention – sie macht einfach das, wofür sie programmiert wurde.“  Damit hat er Recht, doch entscheiden muss sie trotzdem.

Bild: Opening Fireside Chat with Chelsea Manning. Speakers: Chelsea Manning, Theresa Züger, Geraldine de Bastion. Foto: Gregor Fischer/re:publica  (CC BY-SA 2.0)

Und so stellt US-Whistleblowerin Chelsea Manning die zentrale Frage für die diesjährige Republika: „How can we install a code for ethics?“ (-„Wie können wir einen Code für Ethik installieren?“) Unter den Rednern herrscht Einigkeit, dass größere Teilhabechancen der Menschen bei der Entscheidungsfindung von selbstlernenden Systemen ermöglicht werden müssen, um Diskriminierung in diesen klein zu halten. KI müsse von Anfang an so entwickelt werden, dass die Datensammlung und -auswahl nachvollzogen und regelmäßig überprüft, zur Not auch interveniert werden kann. Julia Krüger fordert zugleich eine kluge Regulierung, wer Algorithmen überprüfen darf. Doch wie soll eine KI damit umgehen, dass es auf der Welt kein einheitliches Wertesystem gibt, sondern sich die Wertesysteme verschiedener Regionen und Kulturen voneinander unterscheiden? Hierfür hat einzig Chelsea Manning einen Ansatz: Wir sollten uns alle mehr selbst reflektieren und bewusst den Austausch mit Menschen anderer Meinung suchen. Der Schlüssel zur Tilgung von Vorurteilen sei Dissens. Ob hierdurch eines Tages tatsächlich ein einheitliches Wertesystem entstehen kann? Wir wissen es nicht. Aber dass Kommunikation der Schlüssel sein soll, das gefällt uns gut.

Titelbild: Eine Besucherin auf der re:publica interagiert mit einem Roboter. Foto: Jan Michalko/re:publica (CC BY-SA 2.0)


Anna Härle

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