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Zuckersüß

9. April 2018


Zucker gibt es bereits seit 15.000 Jahren. Damals wurde auf dem so genannten Saccharum officinarum herum gekaut, dem uns allen bekannten Zuckerrohr. Heute ist uns der weiße Kristall aus der damaligen Zeit als eine Sorte des handelsüblichen Haushaltszuckers bekannt. Vitamine oder Nährstoffe sind hier Fehlanzeige, allerdings wird durch das Kauen Saccharose freigesetzt, die dem Körper Energie in einer Form liefert, die er besonders leicht in Kraft umsetzen kann. Zuckerrohr ist quasi das prähistorische Redbull des Homo sapiens. Aktuell existiert kein organischer Einzelstoff, der in so großen Mengen hergestellt wird wie Zucker. Rund 178 Millionen Tonnen wurden im Erntejahr 2016/2017 produziert, unter anderem auch in Deutschland. [1] 

Status Quo
Die Nahrungsmittelindustrie setzt drei von vier Produkten Zucker hinzu, auch solchen, von denen der Verbraucher es nicht erwarten würde, so wie Rotkohl, Krautsalat, Brot oder Pizza. Daher überrascht es auch nicht, dass in der Jahresbilanz zum Zuckerkonsum der Deutschen zu sehen ist, dass wir weitaus mehr Zucker konsumieren als empfohlen wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, eine Zuckermenge von 25g pro Tag nicht zu überschreiten. In Teelöffel umgerechnet bedeutet das 6 Löffel pro Tag. Hier der Status Quo: Im Schnitt trinken wir im Jahr fast 6kg Zucker. In Form von fester Nahrung nehmen wir zusätzlich 35kg Zucker zu uns. Dies entspricht mehr als 20 Teelöffeln pro Tag. Damit decken wir rund 14% unseres täglichen Energiebedarfs mit Zucker ab. 

Übermäßiger Zuckerkonsum hat Folgen
Laut einer Studie des Robert Koch Instituts leiden 67% der Männer und 53% der Frauen in Deutschland an Adipositas. 6,7 Millionen Menschen leiden in Deutschland geschätzt an Typ-2-Diabetes. Dieser Diabetes-Typ verringert die Lebenserwartung um rund 5 Jahre. [2]  Und das sind nicht die einzigen Folgen, die ein übermäßiger Zuckerkonsum verursachen kann. Antriebslosigkeit, Schlaffheit, Müdigkeit, Darmprobleme und Depression können ebenfalls ein Resultat sein. [3] Daher ist es wichtig, die Verbraucher für das Thema Zucker zu sensibilisieren und richtig zu Informieren. Laut Max-Planck-Institut ist nämlich auch Unwissenheit einer der Gründe für einen übermäßigen Zuckerkonsum [4] : Psychologen ließen Eltern schätzen, wie viel Zucker in einem handelsüblichen Naturjoghurt steckt. Das Ergebnis der Schätzung: 92% der Befragten lagen falsch und vermuteten den Zuckergehalt niedriger. Im Durchschnitt wurde der Zuckergehalt auf 4 Zuckerwürfel geschätzt, dieser lag tatsächlich bei 11. Und noch eine interessante Erkenntnis ist der Studie zu entnehmen: Die Kinder jener Eltern, die bei der Schätzung besonders weit danebentippten, waren oft besonders adipös.

Die Zuckersteuer
Weitere Mittel zur Regulierung von Zucker-Vertrieb und -Konsum sind derzeit in England zu beobachten: Am 6. April trat dort die Limonadensteuer in Kraft. Diese verpflichtet Unternehmen erhöhte Abgaben zu leisten, sofern der Zuckergehalt in Getränken mehr als 5g je 100ml beträgt. Große Konzerne reagierten bereits vor Inkrafttreten der Steuer mit einer Senkung des Zuckergehaltes in ihren Getränken. Für Fanta und Sprite reduziert der größte Limonadenhersteller Coca Cola den Zuckergehalt: Bei Fanta von 6,9 auf 4,6g und bei Sprite von 6,6 auf 3,3g auf 100ml. Im Vergleich liegen die Zuckerwerte bei den gleichen Produkten in Deutschland wesentlich höher, nämlich bei über 9g Zucker je 100 ml. [5] 

Aber nicht nur Coca Cola hat bereits im Vorhinein reagiert, auch Nestlé, Tesco und Lidl änderten Rezepturen ihrer Getränke in England. Der zweitgrößte Getränkekonzern Großbritanniens Britciv senkte den Zuckergehalt von 90% seiner Getränke radikal auf 5g pro 100ml. [6]  Dies geht aus einer Studie der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hervor. Andere Länder haben den Zuckerkonsum auch bereits erfolgreich reduziert.  Mexiko, das Land mit der höchsten Adipositas-Rate weltweit, hat den Zuckerkonsum durch eine Erhöhung der Limonadenpreise um 10% reduziert. Der Absatz der Limonaden ging bis dato um mehr als 10% zurück. Vergleichbare Maßnahmen gibt es auch in anderen Ländern Europas und Afrikas. In New York wurde z.B. der Verkauf von XXL-Limo-Bechern verboten. 

Wie ist die Lage in Deutschland?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung änderte im August ihre Regeln und gab bekannt: „Mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke sind nicht empfehlenswert.“ Foodwatch fordert für Deutschland ähnliche Regelungen wie in England, um den Konsum einzuschränken. Bundesverbraucherschutzministerin Julia Klöckner (CDU) hingegen sieht in dieser Hinsicht erst einmal keinen Handlungsbedarf. Es wird sich zeigen, ob es zu stärkeren staatlichen Regulierungen kommen wird, in welcher Form auch immer. Jedoch ist jetzt schon zu beobachten, dass Unternehmen wie beispielweise Rewe oder Haribo auch ohne gesetzliche Vorgaben den Zuckergehalt in ihren Produkten verringern. Dies ist u.a. auf den Trend hin zu gesunder und bewusster Ernährung zurückzuführen, den auch eine von Grayling Deutschland durchgeführte Umfrage belegt [7] : 31% der Millennials achten darauf, nicht zu viel Zucker zu sich zu nehmen. Ganze 42,5% der befragten 16- bis 35-Jährigen geben an, bestimmte Süßigkeiten nicht mehr zu essen, seitdem ihnen bewusst ist, dass sie zu viel Zucker enthalten. 
 


[1] DER SPIEGEL, Print – Nr.15 / 07.04.2018

[2] https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/11/2016-11-14-weltdiabetestag.html

[3] https://www.zentrum-der-gesundheit.de/zucker.html

[4] https://www.nature.com/articles/s41366-018-0021-5

[5] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/limonadensteuer-in-england-halbiert-zuckeranteil-15513839.html

[6] https://www.zm-online.de/news/gesellschaft/hersteller-reagieren-auf-zuckersteuer/

[7] Umfrage im Auftrag der Grayling Deutschland GmbH mithilfe der Appinio GmbH, 200 Teilnehmer im Alter von 16 bis 35 Jahre in Deutschland, im Oktober 2017


Grayling Team

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